idea 06.10.2022
München/Passau (IDEA) – Im letzten Moment ist die Abschiebung eines zum Christentum konvertierten Iraners aus dem Landkreis Passau gestoppt worden. Das Bayerische Innenministerium setzte die Rückführung von Reza R. in die iranische Hauptstadt Teheran aus. Sie war für den 5. Oktober geplant. Das teilte der Bayerische Flüchtlingsrat (München) am 6. Oktober mit. Zudem wolle das Ministerium das behördliche Handeln in dem Fall überprüfen. Nach Darstellung der Flüchtlingsorganisation hatte die Passauer Ausländerbehörde den in Deutschland geduldeten 41-Jährigen „mit einem falschen Versprechen“ in eine „Abschiebefalle“ gelockt, um ihn festzunehmen. Dem Flüchtlingsrat zufolge hatte Reza R. im Juli bei der Behörde eine Arbeitserlaubnis bei einem Münchner Pflegedienst beantragt. Dort habe er schon ein Praktikum absolviert. Man sei dort „hochzufrieden“ mit seiner Arbeit. Für den 29. September war er nun schriftlich von einer Sachbearbeiterin der Ausländerbehörde einbestellt worden, um die Arbeitserlaubnis in seine Duldung einzutragen. „Herr R. folgte dem Versprechen – und lief in die Falle“, so Stephan Dünnwald vom Bayerischen Flüchtlingsrat. Denn stattdessen hätten ihn zwei Polizisten in Abschiebehaft gebracht. Dieses Verhalten bezeichnete Dünnwald als „betrügerisch“ und einem „Rechtsstaat unwürdig“. Denn das Landratsamt Passau habe schon am 6. September den Abschiebeantrag beim Bayerischen Landesamt für Asyl und Rückführungen gestellt. Den „Ausreisegewahrsam“ habe das Landratsamt beim Amtsgericht am 27. September beantragt und mitgeteilt, dass der „geplante Aufgriff“ am 29. September erfolgen solle. Reza R.: „Im Iran gibt es keine Freiheit“ Seit 2018 lebt der Mann nach Angaben des Flüchtlingsrates in Deutschland. Er habe sich zuvor im Iran an Protesten gegen das Mullah-Regime beteiligt. Sein Asylantrag sei abgelehnt worden, weil ihm das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge nicht geglaubt habe, dass er aus Furcht vor politischer und religiöser Verfolgung geflohen sei. „Ich bin Christ, ich kann nicht zurück nach Iran“, sagte er der Süddeutschen Zeitung. Zwar sei er als Muslim geboren, aber als junger Mann habe er durch Freunde zum christlichen Glauben gefunden. Bei einer Rückkehr würde er noch am Flughafen festgenommen. Im Iran gebe es keine Freiheit, sagte er der Zeitung. Reza R. hofft, in Deutschland bleiben zu dürfen: „Das ist meine zweite Heimat.“ Menschenrechtsorganisationen zufolge droht im Iran Konvertiten wegen ihrer Abkehr vom Islam Verfolgung, Gefängnis oder gar die Todessstrafe. Der Iran gehört zu den Ländern, in denen Christen am schärfsten verfolgt werden. Das Land belegt Platz 9 auf dem Weltverfolgungsindex des Hilfswerkes Open Doors. 95 Prozent der knapp 84 Millionen Einwohner gehören zum schiitischen Zweig des Islams. Der Anteil der Christen liegt bei unter einem Prozent.